Die richtige Hardware für deinen PC
Viele möchten ihren PC selbst zusammenbauen, wissen aber nicht genau, welche Komponenten sie dafür benötigen. Entscheidend ist zuerst die Frage: Wofür soll der PC eingesetzt werden? Ein Gaming-PC stellt andere Anforderungen als ein Home-Lab-System, ein Rechner für CAD oder eine Workstation für die Videobearbeitung.
AMD oder Intel?
Beide Hersteller bieten leistungsfähige Prozessoren an. Welche CPU besser passt, hängt vor allem von den Programmen und Spielen ab, die du nutzen möchtest.
AMD-Prozessoren mit 3D V-Cache sind besonders bei vielen Spielen sehr leistungsstark. Der zusätzliche Cache kann in geeigneten Spielen für hohe Bildraten sorgen. Das heisst aber nicht, dass ein einzelnes Modell für jedes Spiel und jedes Budget die beste Wahl ist. Aktuelle Beispiele aus der Ryzen-9000-Serie sind der Ryzen 7 9850X3D und der Ryzen 9 9950X3D.
Für Home-Lab-Systeme, Rendering, CAD und andere professionelle Anwendungen sollte man AMD und Intel anhand der konkreten Software vergleichen. Entscheidend sind unter anderem Rechenleistung, Kern- und Thread-Anzahl, Stromverbrauch und Funktionen, die das Programm unterstützt. Mehr Kerne bedeuten nicht automatisch mehr Leistung. Auch Intel bietet leistungsstarke Prozessoren für solche Aufgaben an. Der Core Ultra 9 285K besitzt beispielsweise 24 Kerne; dabei handelt es sich um acht Performance- und 16 Effizienzkerne.
Was bedeuten die Buchstaben am Ende eines Intel-Prozessors?
Die Buchstaben am Ende des Modellnamens werden Suffixe genannt. Sie geben Hinweise auf bestimmte Eigenschaften des Prozessors:
| Suffix | Bedeutung |
|---|---|
| K | Entsperrter Multiplikator; Übertakten ist möglich, sofern Mainboard und Kühlung dafür geeignet sind. |
| F | Der Prozessor benötigt eine separate Grafikkarte, da keine nutzbare integrierte Grafik vorhanden ist. |
| KF | Kombination aus K und F: entsperrter Multiplikator, aber separate Grafikkarte erforderlich. |
| T | Auf einen stromsparenderen Betrieb ausgelegte Desktop-Variante. |
| U | Suffix für energieeffiziente mobile Prozessoren, meist in Laptops. |
Die Bedeutung der Suffixe ist von der Produktreihe abhängig. Intel führt U als Kennzeichnung für effiziente mobile Prozessoren; T steht für eine stromoptimierte Desktop-Variante. Die TDP ist dabei ein Richtwert zur Einordnung der Wärmeabgabe und kein genauer Wert für den tatsächlichen Stromverbrauch.
Welche Variante passt zu dir?
Möchtest du den Multiplikator manuell anpassen und übertakten, kann ein K-Modell infrage kommen. Möchtest du ohnehin eine separate Grafikkarte verwenden, kannst du auch ein F- oder KF-Modell wählen. Diese Varianten können günstiger sein; vergleiche jedoch den Preisunterschied, denn eine integrierte Grafikeinheit ist bei der Fehlersuche und als Notlösung nützlich.
Arbeitsspeicher
In neueren Systemen kommt meist DDR5-Arbeitsspeicher zum Einsatz. Die passende Geschwindigkeit hängt vom Prozessor und vom Mainboard ab.
Bei AMD-Prozessoren mit 3D V-Cache, kurz X3D, reicht DDR5-6000 in vielen Fällen aus. Noch schnellere RAM-Module bringen beim Gaming oft nur einen geringen zusätzlichen Leistungsgewinn.
Auch für Intel-Prozessoren ist DDR5-6000 eine gute Ausgangsbasis. Je nach Prozessor und Mainboard können 6400, 6800 MT/s oder mehr sinnvoll sein. Mit der höheren Geschwindigkeit steigen jedoch meist auch die Kosten. DDR5-8000 kann eine Option sein, setzt aber einen kompatiblen Prozessor und ein Mainboard voraus, das diese Geschwindigkeit unterstützt. Ob der Arbeitsspeicher stabil mit der angegebenen Geschwindigkeit läuft, hängt zudem vom jeweiligen System ab.
Für einen Gaming-PC sind mindestens 32 GB Arbeitsspeicher empfehlenswert. Mehr Arbeitsspeicher ist sinnvoll, wenn anspruchsvolle Anwendungen genutzt werden; für viele Gaming-Systeme sind 32 GB aber ausreichend. Üblicherweise empfiehlt sich ein Kit aus zwei Modulen, zum Beispiel 2 × 16 GB oder 2 × 32 GB. Vier Module können den Betrieb mit hohen Speichergeschwindigkeiten erschweren.
Zwei passende RAM-Module ermöglichen den Dual-Channel-Betrieb, sofern sie in den dafür vorgesehenen Mainboard-Steckplätzen eingesetzt werden. Dadurch steht mehr Speicherbandbreite zur Verfügung als im Single-Channel-Betrieb.
Mainboard
Die Auswahl des Mainboards ist heute nicht einfach, denn es gibt viele Modelle und Ausstattungsvarianten. Zuerst muss das Board zum Prozessor passen: AMD verwendet bei aktuellen Desktop-Prozessoren den Sockel AM5, Intel bei den Core-Ultra-Desktop-Prozessoren der Serie 2 den Sockel LGA1851.
Mainboards für AMD
Für ein System mit AM5 ist ein B850-Mainboard eine gute Wahl im mittleren Preisbereich. Wer mehr Anschlüsse und Funktionen möchte, kann ein X870- oder X870E-Board wählen. Ein X870-Modell ist aber nicht automatisch die beste Wahl für jeden PC: Entscheidend ist, welche Funktionen und Anschlüsse du tatsächlich benötigst. X870E bietet in der Regel mehr Erweiterungsmöglichkeiten als X870. amd.com
Achte auf eine gut gekühlte Spannungsversorgung (VRM). Kühlkörper rund um den Prozessorsockel sind ein hilfreicher Hinweis, aber allein an der Anzahl der Phasen lässt sich die Qualität eines Mainboards nicht beurteilen. Auch der Aufbau und die Kühlung der Spannungsversorgung spielen eine Rolle.
Mainboards für Intel
Für einen Intel-Prozessor mit Sockel LGA1851 ist ein B860-Mainboard ein guter Einstieg. Wer den Prozessor übertakten oder mehr Anschluss- und Erweiterungsmöglichkeiten nutzen möchte, sollte sich ein Z890-Board ansehen. B860 unterstützt Arbeitsspeicher-Übertaktung, aber keine Übertaktung des Prozessors über den Multiplikator.
Auch bei Intel solltest du auf eine ausreichend gekühlte Spannungsversorgung achten. Die Anzahl der Phasen allein ist kein verlässliches Qualitätsmerkmal.
Anschlüsse und Erweiterungsmöglichkeiten
Bei beiden Plattformen solltest du vor dem Kauf überlegen, welche Ausstattung du brauchst:
- Wie viele M.2-NVMe-SSDs möchtest du einbauen?
- Brauchst du 10-Gbit/s-LAN oder reicht dir 1-Gbit/s-LAN?
- Benötigst du WLAN?
- Wie viele USB-Anschlüsse und SATA-Anschlüsse brauchst du?
Besonders wichtig ist die Aufteilung der PCIe-Lanes. Dabei gilt: Die Anzahl der Prozessor-Lanes entspricht nicht direkt der maximalen Anzahl an M.2-SSDs. Mainboards können zusätzliche Anschlüsse über den Chipsatz bereitstellen. Je nach Modell können sich M.2-Steckplätze, SATA-Anschlüsse und PCIe-Steckplätze jedoch Lanes teilen.
Bei AMD-Ryzen-Prozessoren der 9000er-Serie stehen laut AMD insgesamt 28 PCIe-Lanes zur Verfügung, davon sind 24 nutzbar. Bei Intel Core Ultra 200S gibt es 20 PCIe-5.0-Lanes sowie 4 PCIe-4.0-Lanes. Wie diese Lanes auf Grafikkarte, M.2-Steckplätze und weitere Anschlüsse verteilt werden, hängt vom Prozessor und vom Mainboard ab.
Bei manchen Boards kann die Grafikkarte auf x8 zurückgestuft werden, wenn bestimmte Steckplätze oder Anschlüsse belegt sind. Andere Boards teilen stattdessen Lanes mit SATA-Anschlüssen oder weiteren PCIe-Steckplätzen. Prüfe vor dem Kauf im Handbuch des Mainboards, welche Anschlüsse sich Lanes teilen und welche Kombinationen möglich sind.